Hans-Gert Pöttering

Präsident des Europäischen Parlaments a.D.

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Rede des Präsidenten des Europäischen Parlaments zur Übergabe des Friedenslichts aus Bethlehem

vom 15.12.2009

Herr Landeshauptmann, sehr geehrter Herr Josef Pühringer,
Vor allem lieber Kollege Paul Rübig,
Liebe Kolleginnen und Kollegen aus dem Europäischen Parlament,
Herr Direktor des ORF Landsstudios Oberösterreich (und Initiator des Friedenslichtes), sehr geehrter Herr Helmut Obermayr,
Exzellenzen,
Liebe Pfadfinder,
Meine sehr verehrten Damen und Herren,

Es ist für mich eine ganz besondere Freude, dass wir auch in diesem Jahr wieder die lange Tradition des Friedenslichtes fortsetzen und dass ich als Präsident des Europäischen Parlaments dieses Friedenslicht hier in Strassburg entgegennehmen darf.

Seit nunmehr zwölf Jahren bringt diese bewundernswerte Initiative des Landesstudios Oberösterreich des Österreichischen Rundfunks und unseres Kollegen Paul Rübig dieses Friedenslicht in das Europäische Parlament. Und schon zum 22. Mal wird dieses Licht von einem österreichischen Kind aus Bethlehem geholt und von Österreich aus an 30 Länder weitergegeben.

Ich begrüße heute recht herzlich die Gruppe aus Oberösterreich, die uns das Licht ins hierher ins Parlament bringt, vor allem aber begrüße ich das Friedenslichtkind, eine junge Dame dieses Jahr, Marlene Irnhofer.
Die Flamme soll als Friedenssymbol Licht und Wärme in die Herzen der Menschen bringen. Mit diesem Friedenslicht werden wir an den größten Wert erinnert, auf dem auch die Europäische Union beruht: Den Frieden unter den Menschen.

Frieden ist etwas, das in unserer Gemeinschaft der Europäischen Union schon selbstverständlich geworden ist. Doch nicht alle Menschen haben dieselbe Chance, die wir in Europa haben, in Frieden leben zu dürfen.

Seit Beginn meiner Amtszeit als Präsident des Europäischen Parlaments habe ich eine Reihe von Ländern außerhalb der Europäischen Union besucht. Besonders wichtig war für mich – auch im Zusammenhang mit diesem Jahr 2008, dem Europäischen Jahr des interkulturellen Dialogs – mein offizieller Besuch im Nahen Osten.

Dort bin ich mit Kindern und Jugendlichen in den palästinensischen Flüchtlingslagern zusammengetroffen und habe selbst zu spüren bekommen, dass wir als Europäer mehr tun müssen, als nur für Frieden in unseren eigenen Ländern zu sorgen.

Frieden ist nicht durch eine einzelne Maßnahme allein zu erlangen. Frieden kann man nicht einfach am Verhandlungstisch beschließen.

Andauernder und gerechter Frieden ist die Summe vieler kleiner Schritte – Schritte, die man im Dialog aufeinander zugehen muss – und Frieden ist vor allem das Resultat eines ständigen, bemühten Zusammenwirkens aller Nationen.

Das europäische Projekt ist ein solches ständiges und bemühtes Zusammenwirken unter dem absoluten Bekenntnis zum Frieden.
Nach Jahrhunderten von Kriegen und Konflikten in Europa kennen wir heute den Frieden. Er darf aber nicht zur Selbstverständlichkeit werden!

Wir müssen weiterhin für unsere Werte und für den Respekt der Würde des Menschen überall in der Welt kämpfen. Wir müssen die Verantwortung dafür übernehmen, diesen Frieden, den wir seit einem halben Jahrhundert in Europa genießen, in die Welt zu tragen.

In diesem Sinne bedanke ich mich ganz besonders bei Ihnen allen für dieses Geschenk des Friedenslichtes. Ich möchte heute Nachmittag aber nicht nur Empfänger sein, sondern ich will dieses Licht und damit das Symbol eines Friedens, um den wir uns alle gemeinsam bemühen müssen, auch weitergeben.

Ganz besonders möchte ich heute auch die Abordnung der Straßburger Pfadfinder bei uns begrüßen: 18 junge Menschen moslemischen, christlichen und jüdischen Glaubens, die zu uns ins Europäische Parlament gekommen sind.

Sie sollen die Flamme und ihre Botschaft weiter hinaus tragen in die Welt. Gerade in diesem europäischen Jahr des interkulturellen Dialogs erhält die heutige Übergabe an junge Menschen verschiedener Religionen eine ganz besondere Bedeutung.

Ich darf zum Abschluss die österreichische Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach zitieren, die einst sagte: “Frieden kannst du nur haben, wenn du ihn gibst.”

Geben wir daher gemeinsam den Frieden weiter, den wir kennen, damit ihn alle Menschen auf dieser Welt haben können!

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