Eröffnungsrede des Präsidenten des Europäischen Parlaments bei der Konferenz “Peace with Water”
vom 12.02.2009
Sehr geehrter Prinz Albert II. von Monaco,
Herr Präsident, sehr geehrter Mikhail Gorbatschow,
Herr Minister für Landwirtschaft und den ländlichen Raum, sehr geehrter Herr Benoit Lutgen,
Herr Präsident des Ausschusses der Regionen, lieber Luc Van den Brande,
Herr Vorsitzender des russischen wissenschaftlichen Ausschusses für Wasserschutz, sehr geehrter Andrei Grachev,
Herr Vorsitzender des Nicht-Ständigen Ausschusses des Europäischen Parlaments über den Klimawandel, lieber Guido Sacconi,
Exzellenzen,
Liebe Kolleginnen und Kollegen
Meine sehr geehrte Damen und Herren,
Es ist mir eine große Ehre und Freude, so viele Persönlichkeiten heute im Plenarsaal des Europäischen Parlaments begrüßen zu dürfen und am Anfang dieser wichtigen zweitägigen Konferenz einleitende Worte zu den globalen Herausforderungen, die mit dem Wasser und unserer Wasserversorgung verbunden sind, zu Ihnen sprechen zu können.
Es ist mir als Präsidenten des Europäischen Parlaments wichtig und ein besonderes Anliegen, den Initiatoren dieser Konferenz für ihr Engagement zu danken und die Bedeutung des heute hier behandelten Themas ausdrücklich hervorzuheben.
Diese Tagung hat zum Ziel, die vielfältigen Seiten der Wasserknappheit zu erläutern und Wege für politische Lösungen aufzuzeigen. Es geht hier darum, Bewusstsein zu stärken und verantwortliches Handeln für unseren Planeten voranzutreiben.
All jene, die hier in Belgien arbeiten und leben, sind an ziemlich viel Regen gewöhnt – der Anblick eines regenverhangenen Himmels ist aber auch in vielen anderen Regionen Europas ein nicht ungewohnter Anblick.
Daher vergessen wir manchmal, dass Wasser kein Gut wie jedes andere und schon gar kein im Überfluss vorhandenes Gut ist: Ohne Wasser gäbe es kein Leben auf unserem Planeten. Alle menschlichen Tätigkeiten hängen in irgendeiner Form von Wasser ab – und zu viele Regionen dieser Welt, zu viele Menschen auf unserem Planeten leiden unter Wassermangel und den daraus resultierenden Konsequenzen.
Wasser ist eine anfällige und in der Tat knappe natürliche Ressource. So sehr manche Staaten dieser Welt und auch der Europäischen Union sich ihres Wasserreichtums rühmen, so sehr ist dieses gemeinsame Erbe unseres Planeten im Zusammenhang mit einem sich beschleunigenden Klimawandel zunehmend bedroht.
Wenn wasserreiche Staaten von ihrem ‘weißen Gold’ sprechen, dann beschreibt allein diese Bezeichnung bereits treffend den Wert dieses knapper werdenden Gutes.
Verglichen mit der Situation in anderen Regionen der Welt sind die Wasserreserven in der Europäischen Union eindeutig weniger bedroht als beispielsweise im Nahen Osten oder Afrika. Aber auch der Europäische Kontinent ist in keiner Weise vor Wassermangel gefeit.
Wasserknappheit und Dürren betreffen uns alle und daher müssen unsere politischen Überlegungen darauf gerichtet sein, auch in Zukunft einen fairen Zugang zur Wasserversorgung zu gewährleisten.
In den letzten dreißig Jahren sind immer häufiger Extremwetterlagen aufgetreten; viele von uns haben die Vermehrung von Dürren und Hitzewellen persönlich miterlebt. Dies hat dazu geführt, dass der Kampf ums Wasser gestiegen und immer drastischer geworden ist.
Durch die immer stärker zu spürenden Auswirkungen des Klimawandels könnten zukünftig bis zu 3,2 Milliarden Menschen weltweit von Wasserknappheit betroffen sein.
Deshalb muss dem Schutz der Wasserressourcen, des Wasserökosystems und des Trink- und Nutzwassers höchste Priorität beigemessen werden.
Doch zusätzlich zur Frage der verfügbaren Wassermenge müssen wir ebenfalls immer mehr die Frage der Qualität des Wassers angehen. Um ein Beispiel aus unserem Kontinent zu bringen:
Wir müssen leider feststellen, dass bereits ungefähr 20 Prozent der Oberflächengewässer in der Europäischen Union schwer von Verschmutzungen bedroht sind.
Deshalb ist die heutige Konferenz so wichtig. Es ist unsere Verantwortung und Pflicht, in der Europäischen Union und weltweit eine nachhaltige Nutzung von Wasser zu fördern, die einerseits wirtschaftliche und soziale Entwicklung gewährleistet und anderseits die Zukunft unseres Planeten nicht auf Grund übermäßigen Gebrauchs, von Abfällen und Verschmutzung gefährdet.
Die Verwaltung unserer Wasserressourcen ist eine horizontale Herausforderung mit bedeutenden Auswirkungen auf das Gesundheitswesen, auf den Umweltschutz, auf die wirtschaftliche Produktivität sowie auf den Frieden und die Sicherheit.
Die Auswirkung des Klimawandels sind weit umfassender als meistens dargestellt: Es ist keine reine Umweltschutz- oder Wirtschaftsfrage; die Erderwärmung hat neben anderem Faktoren auch auf Grund der Wasserknappheit erhebliche Auswirkungen auf die europäische und internationale Sicherheit.
Als Konsequenz der vom Klimawandel verursachten Wüstenbildung wird zum Beispiel die politische Stabilität gerade im nördlichen Afrika in hohem Maße betroffen sein.
Es besteht auch kein Zweifel daran, dass die Konflikte der Zukunft immer öfter mit Wasserknappheit, der Besitznahme von Wasserressourcen oder mit Wüstenbildung verbunden sein werden.
Laut Experten könnte die Erderwärmung voraussichtlich auch die Regenfallmuster verändern und die Frischwasserversorgung in manchen Regionen um weitere 20 bis 30 Prozent reduzieren.
Demzufolge könnten wasserbezogene Fragen möglicherweise Bürgerunruhen und auch in widerstandsfähigen Ländern erheblichen wirtschaftlichen Verlust verursachen und demzufolge die politische Stabilität in Nachbarregionen der Europäischen Union untergraben.
Es ist höchste Zeit, jetzt angegiert tätig zu werden und politische Maßnahmen einzuleiten, um eine höhere Nachhaltigkeit in der Nutzung und besseren Verwaltung des Wasserressourcen in der Europäischen Union und weltweit zu gewährleisten.
Im Namen des Europäischen Parlaments möchte ich mich noch einmal bei allen Mitgestaltern der heutigen Konferenz für ihre Initiative bedanken: Werden wir gemeinsam aktiv und setzen wir zusammen alles daran, das Bewusstsein der Menschen weltweit über die Gefahren der Wasserknappheit und der damit verbundenen Herausforderungen sowie über die Notwendigkeit einer nachhaltigeren Nutzung des Wassers zu stärken.
Auch als Bürger müssen wir unsere Gewohnheiten ändern und durch kleine Gesten im Alltagsleben lernen Wasser zu sparen.
Es liegt in unserer Hand, eine Kultur der sparsamen Wasserverwendung und einer effizienten Wassernutzung bei den Entscheidungsträgern auf allen Ebenen der Verwaltung und bei den Bürgerinnen und Bürgern selbst zu fördern.
Als verantwortlicher Partner in der Welt muss sich die Europäische Union stets aktiv für die Förderung einer nachhaltigen Wassernutzung einsetzen und diese unterstützen: Wasser – und die universelle Wasserversorgung – soll und kann zu einer vorrangigen Priorität der Außen- und Entwicklungspolitik der Europäischen Union werden.
Frieden, Sicherheit und Wohlstand der zukünftigen Generationen werden von unserer Fähigkeit abhängen, Wasserverschwendung wesentlich zu reduzieren und den Verbrauch von Wasser auf ein nachhaltig verträgliches Niveau zu bringen.
Die vor uns liegenden Herausforderungen sind groß, doch hoffe ich, dass auch diese Konferenz dazu beitragen wird, konsequente Schritte auf dem Weg der Wassernachhaltigkeit aufzuzeigen.
Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Tagung und zahlreiche fruchtbare Debatten.
Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.
Rubrik: Reden | Kommentare: 0